ZECKENBISS
Seit den frühen 80er Jahre ist bekannt, daß die Borrel iose durch das Bakterium Borrelia burgdorferi hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch infizierte Insekten, insbes. Zec ken. Es hat sich so eingebürgert, für eine solche Infektion (= Übertragung, Ansteckung) einen "Zeckenbiß" verantwortlich zu machen. Genau genommen beißt die Zecke aber nicht, sondern sie sticht. Damit aber dieser Beitrag bei den Suchmaschinen im Internet besser gefunden wird, belassen wir es bei dem Begriff "Zeckenbiß" statt Zec kenstich.
In Mitteleuropa kann bei einem Zeckenbiß aber auch die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME), eine vi rale Er krankung übertragen werden. Diese Er krankung ist für die Schmerztherapie aber von untergeordneter Bedeutung. Falls Sie aber mehr über diese Erkrankung erfahren möchten, so können wir Ihnen diesen Link empfehlen: http://www.m-ww.de/krankheiten/infektionskrankheiten/fsme.html (einfach anklicken).
Die
Borrel iose nach einem Zeckenbiß ist eine Multisystemerkrankung und läuft in Stadien ab. Die variable
Symptomatik reicht von akuten Hautläsionen (Erythema chronicum migrans) bis hin
zu schweren rheumatologischen, neurologischen und kardialen (=
das Herz betreffenden)
Manifestationen
(= Erscheinungen).
Grundsätzlich kann
nach einem Zeckenbiß jede der klinischen Manifestationen (=
Kran kheitszeichen) isoliert, aber auch in Kombinationen
auftreten.
Im Stadium I der
Borrel iose tritt als
häufigste Frühmanifestation und damit Leitsymptom (=
vorherrschendes, hinweisendes Kran kheitszeichen) das Ery
thema mig
rans
(= wandernde, flächenhafte Hautrötung)
auf, Tage bis Wochen nach dem
Zeckenbiß (Zec
kenstich). Die makulöse (=
fleckförmige) oder oder papulöse (=
knötchenartige), ringförmige
Effloreszenz (= Hautausschlag)
blaßt im weiteren Verlauf in der Mitte ab.
Begleitend zum Erythema migrans
können bei der
Borrel iose Allgemeinsymptome wie Fieber,
Myalgien
(=
Mus
kelschmerzen) und
Kopfschmerzen,
selten auch ein Meningismus (=
Kran kheitszeichen wie bei einer Hirnhautentzündung) auftreten.
Eine besondere dermatologische (= die Haut betreffende) Reaktionsform stellt das Borrel ien-Lym phozytom dar. Der rötlich livide Tumor tritt bevorzugt an Ohrläppchen, Mamille (= Brustwarze) oder Hode nsack auf. Das Borrel ien-Lym phozytom kann allerdings häufig nicht eindeutig einem bestimmten Stadium zugeordnet werden. Selten kann es nach einem Zeckenbiß aufgrund hämatogener Aussaat (= Streuung über die Blutbahn) zu multiplen Erythemen (= flächenhafte Hautrötung) kommen.
Im Stadium II der Borrel iose nach einem Zeckenbiß treten am häufigsten neurologische Manifestationen
(= Erkennbarwerden einer Erkrankung) auf (Neurobor reliose), insbesondere die lym phozytäre Meningorad ikulitis (LMR) mit typischer klinischer Symptomatik in Form von radikulären (= Ner venwurzel betreffenden) Schmerzen, häufig als quälend und brennend charakterisiert mit nächtlichen Schmerzexazerbationen (= Verschlimmerungen).In diesem Zusammenhang ist über ein Phänomen zu berichten, das bisher in der Literatur nicht aufgeführt wurde, diagnostisch aber richtungsweisend sein kann. Aufgefallen ist bei mehreren Patienten mit Borrel iose ein inkonstantes Reflexverhalten. So war der PSR (= Reflex der Kniescheibensehne) bei einer Untersuchung regelrecht auslösbar und bei der nächsten, Tage später nicht mehr und umgekehrt.
Ein weiteres Leitsymptom für die Neuroborrel iose (Stadium II) im Rahmen einer Borrel iose nach Zeckenbiß sind Hirnnervenlähmungen, seltener Extremi täten- (= Ar m/Be in-) oder Rumpflähmungen. Die Meningorad ikulitis führt zu einem charakteristischen Liquorbefund (= Untersuchung des Hirnwassers): Lymphozytäre Pleozytose (= erhöhte Lymphozytenzahl) (zwischen 30/3 und 3000/3 Zellen) und Liquoreiweißerhöhung.
Nach erfolgloser antibiotischer Basistherapie der Borrel iose kann zur Schmerztherapie ambulant zunächst Baclofen versucht werden. Teilweise hilft auch Carbamazepin oder Gabapentin (die Kombination mit Baclofen ist ebenfalls wirksam und spart Carbamazepin bzw. Gabapentin ein, womit eine höhere Dosierung und die damit verbundenen Nebenwirkungen vermieden werden kann).
Eine weitere Manifestation des Stadium II der Borrel iose stellt die Ly me
-Kardi tis (= Lym e-bedingte Herzentzündung) dar, gekennzeichnet durch Herzrhythmusstörungen, hpts. in Form von AV-Blockierungen unterschiedlichen Grades.Im Stadium III der Borrel iose nach Zeckenbiß zeigen sich hauptsächlich zwei Manifestationen (= Erkennbarwerden einer Erkrankung):
Ly me-Arthri tis: Diese Gelenkerkrankung kann mono- oder polyartikulär (= ein oder mehrere Gelen ke betreffend), chronisch oder intermittierend ablaufen. Differentialdiagnostisch (= was sonst noch an Kran kheiten in Frage kommt) ist eine r heumat ische Genese (= Ursache) bedeutsam.
Sehr selten kommt es als Manifestation des Stadiums III nach Zeckenbiss zu einer chronischen Borrel ien-Enzepha lomyelitis (= En tzündung des Gehirns und Rückenmarks) mit Para- und Tetraparesen (= Lähmung der Beine oder aller Glieder). Im Liquor findet sich eine ausgeprägte Eiweißerhöhung bei geringgradiger Liquorzellzahlerhöhung.
Diagnostik der
Borrel iose:
Der direkte Erregernachweis mittels Kultur oder Mikroskopie
bringt zwar einen frühzeitigen Nachweis (sofern eine Anzucht überhaupt
gelingt), ist aber sehr aufwendig. In der Praxis kommen deshalb hauptsächlich
serologische Verfahren (Nachweis der erregerspezifischen Immunantwort) zum
Einsatz, wobei die diagnostische Sensitivität im Frühstadium der Erkrankung
aber eher gering und erst in späteren Stadien hoch ist. Bei Verdacht auf
Borrel iose bzw. Neuroborrel
iose sollte grundsätzlich auch der Liquor cerebrospinalis
(= das Hirnwasser)
untersucht
werden (Liquor/Serum-Paar vom selben Tag).
Eine zunehmende Bedeutung erlangt die sog. Polymerase-Kettenreaktion
(PCR), weil mit dieser Methode innerhalb kurzer Zeit bereits geringe Mengen an
Spirochäten nachgewiesen werden können. Der Nachweis spezifischer Genanteile
(Nukleinsäuren) hat den Vorteil, daß lebende Organismen nicht vorhanden sein
müssen und es daher beim Transport der Proben keiner besonderen
Vorsichtsmaßnahme bedarf.
Geeignete Untersuchungsmaterialien sind bei Borrel iose:
Liquor (= Hirnwasser),
Gelenkpunktate (= Flüssigkeit aus dem Gelen k),
Hautbiopsate (= Gewebeprobe aus der Haut) sowie
Urin.
Differentialdiagnostik
(= was sonst noch an
Kran
kheiten in Frage
kommen könnte) bei
Borrel iose
nach Zeckenbiß:
Wie oben schon erwähnt, kann eine Arthrit
is auch
rheumatischer Natur sein. Herzrhythmusstörungen sind am ehesten kardial (= das Herz betreffend) bedingt und
nur selten auf die
Borrel iose nach Zeckenbiß zurückzuführen. Radikuläre (= Nervenwurzeln betreffende)
Störungen, wie sie im Rahmen einer borrel
iosebedingten, lymphozytären Meningorad
ikulitis
(LMR) auftreten, können
auch einer Multiplen Sklerose zugeordnet werden.
Eine zunehmende differentialdiagnostische Bedeutung dürfte
die neu entdeckte Hu
mane Granu
locyten Ehrl
ichiose (HGE) erlangen.
Die Primärtherapie (=
Basis- oder Grundbehandlung) der
Borrel iose nach einem Zeckenbiß
erfolgt mit Antibiotika.
Persistierende (= trotz Basisbehandlung
verbleibende) Beschwerden / Schmerzen bei
Borrel iose sind leider oftmals sehr
hartnäckig und geben dann Anlaß einen Schmerztherapeuten aufzusuchen.
Methodenbeschreibung "Kontinuierliche (repetitive) Nervenblockaden mit Katheter":
Nervus femoralis (vorderer
Oberschenkelnerv): Bei dieser Methode suchen wir von der Vorderseite des
Oberschenkels her, handbreit unterhalb des Leistenbandes mit einer Kanüle in der
Tiefe den Oberschenkelnerv auf und legen in die Nervenscheide (Gewebsumhüllung
des Nerven) einen dünnen Kunststoffschlauch (Katheter) ein. In den nächsten 2-3
Wochen spritzen wir dann mehrmals täglich eine verdünnte
örtliche Betäubungsmittellösung ein. Dabei wählen wir die Konzentration des Wirkstoffes
so, daß die grobe Kraft und damit die Beweglichkeit erhalten bleibt, aber die
Schmerzempfindlichkeit deutlich herabgesetzt oder gar aufgehoben ist.
Anwendungsbereiche:
(vordere) Oberschenkelschmerzen, Kniegelenkschmerzen
und zum Teil Unterschenkelbeschwerden (vorderer und innerer Anteil).
Gegen Schmerzen im Hüft- (auch Hü ftgelenk) und Le istenbereich kann vorgenannte Methode verändert angewendet werden (der sog. 3 in 1-Block oder die Pl exus lumbal is-Blockade): Wenn man die Menge der örtlichen Betäubungsmittellösung erhöht (ca. 25-35 ml) und während des Einspritzens den Oberschen kel abstaut, wird die Wirkstofflösung nach oben getrieben (innerhalb der Nervenscheide) und betäubt weitere Nerven, die die genannten Körpergebiete versorgen.
N.
isch
iadicus: Bei dieser
Methode suchen wir von der Oberschenkelrückseite her, handbreit unter dem
Gesä
ß,
den Ischiasnerv in der Tiefe mit einer Kanüle auf und legen einen dünnen
Kunststoffschlauch in die zugehörige Nervenscheide (Gewebsumhüllung) ein. In den
folgenden 2-3 Wochen wird dann in diesen Schlauch mehrmals täglich eine
verdünnte, örtliche Betäubungsmittellösung eingespritzt. Je nach
Wirkstoffkonzentration kommt es dann im Versorgungsgebiet des Nerven zu einer
Verminderung der Schmerzempfindlichkeit bis hin zur Schmerzfreiheit.
Anwendungsbereiche:
rückwärtiger
Oberschen
kel, hinterer und
äußerer Unterschen
kel, Fu
ß und Fußgelen
ke.
Plexus brachialis: Die Einpflanzung des Katheters
erfolgt nahe der Achselhöhle am inneren Oberarm oder im seitlichen unteren
Halsbereich (der sog. interskalenäre Zugang).
Anwendungsbereiche:
der ganze Arm einschließlich Ellen
bogen- und Han dgelenke, in der sog.
retrograd hohen Variante oder beim interskalenären Zugang auch das Schu
ltergelenk.
Nach bisheriger Lehrmeinung entwickelt nur ein Bruchteil der mit Borrel ien infizierten Patienten eine Borrel iose. Hassler (1998)(2) dagegen fand bei seinen Untersuchungen keinen Patienten, bei dem eine Borrel ien-Infektion symptomlos (= ohne Kran kheitszeichen) geblieben ist und empfiehlt deshalb die Antibiotikatherapie bei allen testpositiven (ca. 6 Wochen nach Zeckenbiß) Patienten, denn verschiedene "Volkskran kheiten" wie Arthri tis, Nervenlähmungen oder Herzrhythmusstörungen können die Spätfolge eines Zeckenbiss es sein. Die neu entdeckte Humane Granulocy ten Ehrl ichiose (HGE) gewinnt differentialdiagnostisch (= was sonst noch an Kran kheiten in Frage kommt) an Bedeutung.
Zuletzt noch ein Wort zur Vorbeugung einer Bor reliose:
Natürlich sollte die Zecke so schnell als möglich vollständig entfernt werden, dazu gibt es spezielle Vorrichtungen (z.B. www.zeckenschlinge.de). In entsprechenden Risikogebieten sollte man sich ein solches Instrument vielleicht doch zulegen. Nach einem Bericht der Ärztezeitung kann die folgenschwere Erkrankung mit einer Verabreichung von 200 Milligramm Doxycyclin binnen drei Tagen nach einem Zeckenbiß wirksam verhindert werden. Eine solche Vorbeugung ist aber nur dann sinnvoll, wenn die Kontaktzeit mit der Zecke mehr als 12 Stunden betragen hat. Unterhalb dieses Zeitlimits ist eine Übertragung der Erreger sehr unwahrscheinlich. Sicherheitshalber kann man nach Entfernung der Zecke dieselbe mit zum Arzt bringen, mittels Laboruntersuchungen kann dann festgestellt werden, ob diese Zecke überhaupt Borrelien in sich hatte.
Literatur: (1) Tiller, F.-W.; Diagnostische Bibliothek, Nr. 48, Juni 1997, Blackwell Wissenschaftsverlag. (2) Hassler, D.; Focus-Magazin, Nr. 17 (20.4.1998) - Teilveröffentlichung einer Habilitationsschrift über die Lyme-Borre liose
In Deutschland gibt es mittlerweile an vielen Orten Selbsthilfegruppen. Falls Sie Interesse haben: www.borreliose-bund.de (einfach anklicken).
A
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myofaziales
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Schmerzen bei
Entzündung,
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/ Schmerzen nach Gürtelrose,
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Tumor, chronische
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Schmerztherapie bei Krebs,
Schmerztherapie
bei Malignom,
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Schultersteife,
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Sudeck,
Sudeck Syndrom,
Sympathalgie, sympathische
Reflexdystrophie,
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Syndrom des Karpaltunnel,
Syndrom des
Skalenus,
Syringomyelie
T
Tendinose,
Tendopathie,
Tendomyopathie,
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Ulkus
cruris,
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Wurzelsyndrom
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Zu Themen, die schmerztherapeutische Maßnahmen betreffen, gelangen Sie
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